{"id":23,"date":"2011-02-15T07:37:00","date_gmt":"2011-02-15T07:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/chrigiz.wixsite.com\/gotohaneda\/post\/2011\/02\/15\/newtons-\u00fcberforderte-kinder"},"modified":"2026-09-04T12:03:39","modified_gmt":"2026-09-04T12:03:39","slug":"newtons-uberforderte-kinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gotohaneda.com\/?p=23","title":{"rendered":"Slapstick im Computerspiel: Newtons \u00fcberforderte Kinder"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter is-resized has-custom-border\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gotohaneda.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/dd22cb_1cf58d1a229941478daf8c4dea69bc32mv2.jpg\" alt=\"\" style=\"border-top-left-radius:22px;border-top-right-radius:22px;border-bottom-left-radius:22px;border-bottom-right-radius:22px;width:789px;height:auto\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> <strong>ESSAY In dem ich argumentiere, dass Slapstick die Ultima Ratio des Humors in Computerspielen ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Weiterkommen ist kein Problem. Das Runter- und wieder Hochkommen dagegen ist eine v\u00f6llig andere Geschichte \u2026 Keine, die in der Welt der Videospiele oft erz\u00e4hlt w\u00fcrde. Es ist eine Welt der Hyper-Kinetik, in der die m\u00fchelose \u00dcberwindung fataler Abgr\u00fcnde den Regel- und der Sturz aufs Maul den Todesfall bedeutet. Eine Welt der Eleganz, des Agilen und Kraftvollen, eine Welt voller Hasardeure, Athleten und Helden. Eine Welt, so versessen auf die unausgesetzte Demonstration des spektakul\u00e4ren Gelingens, dass ihr eines nie in den Sinn kommen w\u00fcrde: Zum Scheitern zu stehen. Oder es sogar mit Humor zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcberhaupt: Das Computerspiel und der Humor. Viel wurde geschrieben \u00fcber die Behinderung des bierernsten Mediums, das m\u00fchelos jede k\u00f6rperliche Reaktion ausl\u00f6sen kann \u2013 Adrenalinsch\u00fcbe, Erektionen, Tr\u00e4nenschwalle, ADRENALINSCH\u00dcBE! \u2013, nur nicht jenes vermaledeite Zucken der Mundwinkel. Gern wird das Problem zur medialen Mangelerscheinung ernannt: Der Film, gewiss, der TV, nat\u00fcrlich, ja selbst die Literatur, die haben es leicht! Das GeeMag zitiert die Bonner Medienwissenschaftlerin Cara Thimm mit den Worten, genau hier, im Wort n\u00e4mlich, liege der Hund begraben \u2013 wahrhaft erhabener Humor sei stets Sprachwitz gewesen, und genau getimed noch obendrein. Aber da der Spieler, jener hyperaktive Hallodri, sich weigere, dem Witz zuliebe stillzustehen, verfehle ihn die Punchline mal um mal. Das Computerspiel \u2013 verdammt zu Ernsthaftigkeit und dummdreistem Kalauer. Dar\u00fcber nun liesse sich einiges sagen. Dass, erstens, die Hochschule nicht unbedingt als Gralsh\u00fcterin der Heiterkeit gilt. Dass, zweitens,  in der Erkl\u00e4rung des Wortwitzes zum einzig g\u00fcltigen Humor ein Standesd\u00fcnkel mitschwingt, den es mit erzieherischen Stockhieben auf die akademischen Finger abzustrafen gilt. Zur Not tun wir\u2019s, drittens, mit dem Massstab, der das eine Medium stets am andren misst und dabei schilt: \u00bbDu bist ein schlechterer Film, weil du kein Film bist!\u00ab, und hoffen, dass der Stab an der Fehlhaltung gleich mitzerbricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine ungleich interessantere Perspektive packte Christian Schmidt im Leitartikel einer ganz dem Witz gewidmeten Ausgabe des making games-Magazins in Frageform: Alle traditionellen Arten von Humor seien, so Schmidt, linear \u2013 warum also eifere das das Computerspiel als interaktives Medium ihnen nach und versuche nicht vielmehr, neue Formen zu erfinden, den Nutzer in die Entstehung von Humor einzubinden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u200b<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gotohaneda.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/dd22cb_b148c6345ccf4a92bccf4aee6e51f009mv2.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u200bIn j\u00fcngerer Zeit hat das Computerspiel tats\u00e4chlich eine von ihnen nicht er-, aber doch zumindest gefunden \u2013 am Grund der Mottenkiste des cinematischen Witzes. Dabei brauchte das Computerspiel f\u00fcnf Jahrzehnte, um auf das zu stossen, was f\u00fcr den Film am Ursprung stand: die drastische, \u00fcberdimensionierte, brutalpeinliche Realit\u00e4t des Slapsticks alter Schule. Die Gr\u00fcnde m\u00f6gen technischer Natur sein. Zwar geh\u00f6rte die \u00fcbersteigerte Physikalit\u00e4t immer schon zum Repertoire des Computerspiel-Witzes \u2013 die Absurdit\u00e4t, mit der sich schmerb\u00e4uchige Klempner schwerelos in die L\u00fcfte erhoben oder staksig animierte Kontrahenten sich bis aufs Blut die Hucke vollhauten, kann (ausser einigen Jugendschutzorganisationen) niemand ernst nehmen. Doch erst im neuen Jahrtausend, das die fl\u00e4chendeckende Verbreitung von Havok&amp;Co. mit sich brachte, fanden die Computerspiele zum Grundeigenen des Slapsticks: Zu einem neuem Verh\u00e4ltnis zum K\u00f6rper, der dank Physik-Engines dynamisch deformiert und maltr\u00e4tiert werden konnte, wie es die Schauspieler cum Stuntmen cum ewigen Opfer in der \u00bbGoldenen \u00c4ra\u00ab der Kom\u00f6die vorgemacht hatten. W\u00e4hrend diese in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts aber ihres Ungl\u00fccks eigener Schmied waren, treibt das Computerspiel den Slapstick auf die Spitze: Eine Spur von Sadismus grundierte bereits im Kino den Spass am Groben, wo er aber eingebettet war zwischen Empathie und Voyeurismus. Mitleid und Schaulust sind auch wesentliche Faktoren im Computerspielwitz \u2013 der aber eine v\u00f6llig neue schadenfrohe Qualit\u00e4t annimmt, indem der Spieler den Slapstick in die eigene Hand nimmt und damit auch zum agent provocateur des allgemeinen Un-, Irr- und Frohsinns wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Im Malstrom der allt\u00e4glichen Ungerechtigkeiten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn das Computerspiel die logische Konsequenz des Slapsticks darstellt, dann ist umgekehrt der Slapstick die Ultima Ratio des Computerspiel-Witzes: emergent, unberechenbar, ein unersch\u00f6pfliches dynamisches Pointen-Generierungs-System, geregelt durch wenige simple Gesetze: Die Newtonschen. Und gerade in der Manipulation oder doch wenigstens der grossz\u00fcgigen Auslegung derselben liegt eine beliebte M\u00f6glichkeit, Humor zu generieren: Youtube ist voller Zeugnisse von Spielwelten, die nach einem Eingriff von Moddern in ein lustvoll peinigendes Chaos versinken. Im Pseudo-New York von GTA4 rennen kreischende Passanten um ihr Leben, um doch noch von einem jeglicher Reibungskraft entledigten Auto erschlagen zu werden; auf dem Insel-Archipel von Just Cause 2 verwickelt ein unzerst\u00f6rbar gemachtes Seil zwei Flugzeuge in ein pittorekes Ballett der gegenseitigen Abh\u00e4ngigkeit. Doch auch jenseits des Eingriffs in die ehernen Gesetze der Welt finden Spieler immer wieder M\u00f6glichkeiten, die Realismus-F\u00f6rderungsmassnahme Physik-Engine ad absurdum zu f\u00fchren \u2013 aus dem bewussten oder unbewussten anarchischen Impuls heraus, die noblen Intentionen der b\u00e4rbeissigen Entwickler zu unterwandern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur wenige Entwickler machen gute Mine zu diesem b\u00f6sen Spiel: Sie kreieren Figuren, die zum Helden herzlich wenig taugen. Nichtsdestotrotz sind sie ideale Sinnbilder f\u00fcr die Tragik des menschlichen Daseins, indem sie sich unabl\u00e4ssig bem\u00fchen, nicht unterzugehen im Malstrom der allt\u00e4glichen Ungerechtigkeiten. Dass deren unfairste die Macht der Physik im Allgemeinen und das gespaltene Verh\u00e4ltnis zum eigenen K\u00f6rper im Besonderen ist, und dass dieser K\u00f6rper der Kontrolle des Spielers \u00fcberlassen wird, macht die ganze Sache tragikomisch im besten Slapstick-Sinn.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gotohaneda.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/dd22cb_22c3346f947a46a79f5f47090285d657mv2.jpeg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> Solche Helden von der traurigen Gestalt sind etwa die Protagonisten von Sumotori Dreams. Als Spiel ist Sumotori Dreams \u00e4u\u00dferst minimalistisch: Zwei Sumoringer stehen sich gegen\u00fcber, ein Knopfdruck l\u00f6st das rituelle Abklatschen des Bodens aus, der Kampf ist eingel\u00e4utet. Von da an geht es nur noch darum, den Gegner zu Fall zu bringen, mit einem ein- oder beidh\u00e4ndigen Schubser oder einem Vollkontaktrempler. Fakt ist: Der Sieg ist Gl\u00fcckssache, und ein Kampf in wenigen Sekunden vor\u00fcber. Und dann beginnt das Spektakel. Die Sitte will es n\u00e4mlich, dass der Kampf ausklingt mit einer Geste des gegenseitigen Respekts \u2013 doch nichts k\u00f6nnte in der Welt von Sumotori Dreams schwieriger sein als eine einfache Verbeugung. Die Ringer sind n\u00e4mlich mit dem K\u00f6rpergef\u00fchl eines volltrunkenen Geleehaufens gesegnet, der sich aufs Glatteis begeben hat: Das Aufstehen wird zum herkulischen Akt, die Physik-Simulation zum Teufelskreis, die vollzerst\u00f6rbare Umgebung zur Stolperfalle. Den kubistischen Protagonisten dabei zuzusehen, wie sie taumelnd und torkelnd W\u00e4nde und Tische zerdeppern, mal um mal umfallen und doch den Kampf mit den eigenen Gliedmassen nicht aufgeben, das ist so erhaben wie erheiternd \u2013 und umso sch\u00f6ner, als man mit kleinen Impulsen auf der Tastatur das Ungleichgewicht im Kampf Mann gegen Schwerkraft weiter zu Ungunsten des Ersteren verschieben kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oder nehmen wir den Titelhelden von Minotaur China Shop, der frisch aus dem Labyrinth entlassen ein neues Leben beginnen will \u2013 als H\u00e4ndler f\u00fcr die nach Feingeschirr gierende Tier-Mensch-Bev\u00f6lkerung der griechischen Mythologie. Mit den besten Intentionen und der filigranen Silhouette eines 12 Tonnen-Hubstablers ausgestattet, macht sich der Minotaur unter fachkundiger F\u00fchrung des Spielers ans Werk \u2013 und muss seinen Gewinn verrechnen mit seiner Tollpatschigkeit, der beim Navigieren durch den Porzellanladen unweigerlich das eine oder andere T\u00e4sschen zum Opfer f\u00e4llt. Und dann beginnt das Spektakel: Die findigen Entwickler haben dem Minotauren n\u00e4mlich eine \u00bbZornversicherung\u00ab angedichtet, die umso kr\u00e4ftiger erstattet, je mehr zu Bruch geht. Aus dem Unfall wird also rasch ein Zerdepperungsrausch, der sich wenig darum schert, dass der Highscore eigentlich dazu ermuntert, eine Balance zu finden zwischen Handeln und Verschandeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Spektakel pur von Anfang bietet dagegen Octodad, den sein studentisches Entwicklerteam mit laserhafter Pr\u00e4zision charakterisiert hat: \u00bbLiebevoller Vater. F\u00fcrsorglicher Ehemann. Insgeheim Oktopus.\u00ab Ein ambitionierter Kopff\u00fcsser hat sich als Oberhaupt in eine menschliche Familie eingeschlichen und verrichtet die Aufgaben, die ihm mit seiner neuen Rolle zugewachsen sind (Ballspielen, Kinder beruhigen, K\u00fcche aufr\u00e4umen) \u2013 stets darum bem\u00fcht, den Schein des Gutb\u00fcrgerlichen zu wahren. Was nun aber wesentlich kompliziert wird durch die zweite Familienzugeh\u00f6rigkeit, die n\u00e4mlich zu den Wirbellosen: Octodad l\u00e4uft nicht, er kriecht aufrecht. Octodad wischt nicht, er schlingert. Und Octodad r\u00e4umt nicht einfach den K\u00fchlschrank aus, w\u00e4scht Geschirr ab oder spielt Fussball mit den Kleinen: er tastet sich, Arm f\u00fcr Arm f\u00fcr Arm, langsam an seine Aufgabe heran. Eine Herausforderung auch f\u00fcr den Spieler, seinem kongenial tollpatischen Assistenten, der dank glorreich umst\u00e4ndlicher Maussteuerung k\u00f6rperliche Anteilnahme an den unbeholfenen Fauxpas des Kraken nimmt \u2013 ein Spielgef\u00fchl, irgendwo auf halber Strecke zwischen Amusement, Frustration und Empathie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die gute Gesellschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei teilen Ringer, Minotauren und Kraken weit mehr als ihre desolate Kommunikationsf\u00e4higkeit mit den eigenen Extremit\u00e4ten. Allesamt sind sie Studierendenprojekten entsprungen oder Webbrowsern, alle kosten sie den Spieler wenig oder gar nichts, und man braucht selten mehr als einige knappe Minuten, um an eines ihrer Enden zu kommen. Es sind Spiele, die man gemeinhin \u00bbklein\u00ab nennt, oder auch einen \u00bbGame-Gag\u00ab, womit man sie zugleich beschrieben und auf ihre R\u00e4nge verwiesen hat. Entscheidend aber ist \u2013 dass sie sich auf diesen R\u00e4ngen wohl f\u00fchlen. Nicht zuletzt, weil sie sich dort zu illustren Vorg\u00e4ngern gesellen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gotohaneda.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/dd22cb_30e39319e8784df4b5c9cc2ae16e4230mv2.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der herablassende Blick auf den Slapstick ist so alt wie der Slapstick selbst. Wie Donald Drafton in \u201eChase and Pie\u201c schreibt, wurde der Stummfilmkom\u00f6die der 20er-Jahre bereits von Zeitgenossen der Spielfilm gegen\u00fcbergestellt. Mit dem Verdikt, sie sei nichts als primitive Pointen, \u00bbthrowaway gags\u00ab, die nicht einmal in eine kontinuierliche Handlung eingebettet seien \u2013 ein Vorwurf, der im Nachhinein als Snobismus entlarvt wurde und im \u00dcbrigen die Marx Brothers nicht daran hinderte, Duck Soup zu produzieren. In einem Milieu, dessen cinephiler Horizont sich daran bemisst, dass es immer noch auf den Citizen Kane des Computerspiels wartet, kann eine solche Aufgekl\u00e4rtheit aber nat\u00fcrlich nicht vorausgesetzt werden. Und so m\u00fcssen die genannten Spiele sich durchaus den Vergleich mit dem AAA-Blockbuster gefallen lassen, in dem sie \u00e4hnlich bescheiden dastehen wie einst die fr\u00fche Kom\u00f6die: Sumotori Dreams etwa hat keine Geschichte, es ist nicht mehr als die beliebig wiederholbare, jedes Mal neue Repetition desselben Kampfes. Minotaur China Shop seinerseits erdet seine absurde Ausgangslage in einer von Beamtensprache und fehlgeleiteter Betroffenheit strotzenden Texteinblendung zu Beginn des Spiels; danach jedoch folgt Tag auf Tag, und nach einer Woche ist dann auch gut. Die Technik hat die Gattung auch insofern beg\u00fcnstigt, als im Web derartige Inhalte ohne grossen Aufwand an das Publikum gebracht werden k\u00f6nnen \u2013 kostet nix, will nid viel, ist aber nicht nix: \u00bbVideogame-Gags\u00ab \u2013 ihret- und meinetwegen gerne, so lange die Pointe z\u00fcndet und der Witz gut erz\u00e4hlt ist. (Was er ist.) Zumal Newtons \u00fcberforderte Kinder im 21. Jahrhundert aus ihrer Konzentration auf das kleine (Un-)Gl\u00fcck eine St\u00e4rke sch\u00f6pfen, die bewegtere Gem\u00fcter auch ihren Vorg\u00e4ngern zuschrieben: Jerry Lewis wurde Ende der 60er-Jahre gefeiert von studentischen und cinephilen Kreisen als Vertreter des Anti-Establishments, seine Filme als anarchische Entgegnung zum angestaubten Filmkanon mit seiner erzkonservativen Darstellung der vermeintlichen Realit\u00e4t. Auch wenn diese Ansicht dem Snobismus auf umgekehrte Weise eben so nahe steht wie die \u00fcberhebliche Verachtung des Slapstick-Humors, ist eine Projektion auf die digitalen Nachfolger verlockend: Dass Octodad und der Porzellan-Minotaurus ihrer Grobschl\u00e4chtigkeit zum Trotz bona fide subversive Faktoren sind, scheint jedenfalls offensichtlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Existenz allein ist eine Provokation f\u00fcr die eingeschliffenen Sitten und Br\u00e4uche im Videospiel-Land: Inhaltlich stellen sich in asketischer Kargheit gegen die Stopf-Mentalit\u00e4t der Feature-Grosstuer. Pers\u00f6nlich sind sie die fleischgewordene Unzul\u00e4nglichkeit, das Gegenteil von Eleganz, Anti-Helden im Wortsinn \u2013 wenn sie ihre Artgenossen auch beneiden m\u00f6gen um ihre absolute Beherrschtheit und die ihnen \u00fcberall bereit stehenden St\u00fctzr\u00e4der, so wirken sie auf sie doch befremdlich. Sie selbst haben gelernt, sich mit der Niederlage zu arrangieren und \u00fcberwinden sie im Aufrappeln, statt im Rewind und Reload. Und auch der Spieler muss lernen zu akzeptieren, f\u00fcr einmal ein Alter Ego vor sich zu haben, das zur pr\u00e4zisen Kontrolle schlicht nicht f\u00e4hig ist. Die Slapstick-Spiele sind, quasi qua Charakter, das, was Douglas Wilson vom Copenhagen Game Collective j\u00fcngst als \u00bbabusive game design\u00ab beschrieben hat: Spiele, die es darauf anlegen, den Spieler zu provozieren und zu frustrieren. Mit therapeutischer Wirkung: \u00bbI think abusive game design can help humanize gameplay. It confronts the conventional and reminds us that play is something deeply personal. [\u2026] As I see it, abusive game design is a reaction against both \u2018user-centered\u2019 design, which privileges the player, and the \u2018auteur\u2019 paradigm, which privileges the designer. Abusive game design, at least when it&#8217;s successfully dialogic, is all about the dance between player and designer.\u00ab Dem m\u00f6chte man nichts hinzuf\u00fcgen, au\u00dfer: unsere Helden von der traurigen Gestalt. Zu dritt tanzen wir also, tanzen einen Tanz, bei dem wir uns st\u00e4ndig auf die F\u00fcsse treten, bei dem es uns manchmal auf die Schnauze haut. Und doch: Wir fallen auf die Schnauze. Wir akzeptieren. Wir kommen wieder hoch. Und wir l\u00e4cheln dabei.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Text erschien urspr\u00fcnglich auf<a href=\"http:\/\/titelmagazin.com\/artikel\/slapstick-im-computerspiel\/8670.html\"> titel-magazin.de<\/a>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">  <br>\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ESSAY In dem ich argumentiere, dass Slapstick die Ultima Ratio des Humors in Computerspielen ist.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":841,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,6],"tags":[],"class_list":["post-23","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-film","category-games"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gotohaneda.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gotohaneda.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gotohaneda.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gotohaneda.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gotohaneda.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=23"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/gotohaneda.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":848,"href":"https:\/\/gotohaneda.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23\/revisions\/848"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gotohaneda.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/841"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gotohaneda.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=23"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gotohaneda.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=23"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gotohaneda.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=23"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}